KARATEbyJesse: Top 3 der Geheimnisse, wie man ein Karate-Lehrer ist, den Kinder lieben (& respektieren)

jesse - KopieEs ist nicht leicht, ein Karate-Lehrer zu sein. Besonders dann nicht, wenn man Kinder unterrichtet. Dafür braucht es Wissen, Kreativität, Psychologie, Liebenswürdigkeit und viiiiiieeeel Geduld.

Aber das ist noch nicht alles. Wer Kinder unterrichtet, formt die Zukunft des Karate. Was für eine riesige Verantwortung! Deshalb ist es unglaublich wichtig, ein guter Kinder-Trainer zu sein. (Andernfalls sabotieren wir die Zukunft des Karate.)

Also: Wie kannst du gut darin werden, Kinder zu unterrichten? Indem du als allererstes sicherstellst, dass sie dich lieben und respektieren. Wenn das erst gelungen ist, kommt der Rest fast von alleine.

Als kleine Hilfe teile ich mit dir meine Top 3 der Geheimnisse, wie man ein Karate-Lehrer ist, den Kinder lieben und respektieren – basierend auf meinen eigenen Erfahrungenen sowohl als „Karate Kid“  als auch als Lehrer. Ich habe diese Geheimnisse zuvor noch mit niemandem geteilt. Aufgepasst!

1. Belohne gutes Verhalten!
(anstatt schlechtes zu bestrafen)

Eins vorab: Es wird in deiner Gruppe immer Kinder geben, die sich wie Teufel verhalten. Sie schreien, ziehen an deinen Haaren, treten sich gegenseitig und sorgen für ein wildes Durcheinander. Andererseits wird es auch stets Kinder geben, die sich wie Engel verhalten. Sie stehen perfekt in einer Reihe, üben fleißig und machen niemals Lärm.

Jetzt das Wichtige: Du solltest dich darauf konzentrieren, die Engel zu belohnen. Nicht darauf, die Teufel zu bestrafen. Eigentlich solltest du die „Teufel“ einfach ignorieren.

Warum das funktioniert:
Was du beachtest, verstärkst du. Indem du offensichtlich gutes Verhalten anerkennst – durch deine Aufmerksamkeit, Worte und Taten – lernen die Kinder, dass gutes Verhalten belohnt wird und verstärken es. Das ist einfache Psychologie.
Schrei also nicht die Kinder an, die sich daneben benehmen. Belohne stattdessen jene, die sich richtig verhalten. Schritt für Schritt werden die Teufel so zu Engeln werden.

2. Werde nie, nie, niemals wütend!

Sich um Kinder zu kümmern, kann manchmal ein Alptraum sein. (Besonders, wenn du keinen Assistenz-Trainer hast, der dir dabei hilft.) Aber ganz egal, wie wild sich die Gruppe aufführt, zeige niemals, wirklich niemals Ärger oder Wut.

Wenn du schreiend vor deiner Gruppe stehst, musst du dich fragen: „Bin ich wütend auf die Kinder oder auf mich selbst?“

Du sollst der ruhige und gefasste Anführer der Gruppe sein. Mach dich nicht selbst zum Narren.

Warum das funktioniert:
Kinder machen nicht, was du sagst. Sie machen, was du machst. Sie vergessen schnell, was du sagst – aber sie vergessen selten, welche Gefühle du ihnen vermittelst. Wenn du also möchtest, dass die Kinder dich lieben und respektieren, sei stark, warmherzig und sicher. Verhalte dich so, wie sich die Kinder auch verhalten sollen. Sei ein Vorbild. Sei nicht unberechenbar.

3. Beginne und beende deinen Unterricht immer mit Sachen, die  Spaß machen!

Zu guter Letzt: Die erste und letzte Übung einer Karate-Stunde muss Spaß machen. (Zum Beispiel ein Mini-Spiel für Gleichgewicht, Koordination oder Beweglichkeit.) Das muss nichts Besonderes sein, aber etwas, das ein Lächeln auf die Kindergesichter zaubert.

Warum es funktioniert:
Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass die Aufmerksamkeit von Kindern, und folglich ihre Erinnerung an ein Ereignis (zum Beispiel eine Karate-Stunde), stark auf die ersten und letzten Minuten fokussiert ist. Daher müssen die Anfangs- und Schlussmomente (je fünf bis zehn Minuten) des Unterrichts Spaß machen. Interessanterweise ist es nicht so wichtig, ob der Rest des Unterrichts super langweilig war, denn die Kinder erinnern sich dadurch an die ganze Trainingseinheit (45 bis 60 Minuten) als spaßig. Funktioniert wie Zauberei.

Das war meine Top 3 der Geheimnisse, wie man ein Karate-Lehrer ist, den Kinder lieben und respektieren.

Allerdings muss dir klar sein, dass man Liebe und Respekt weder einfach noch schnell erlangt. O nein. Den muss man sich über die Zeit verdienen. Aber hast du das einmal geschafft, verändert sich dadurch alles. Vertrau mir.

Viel Glück!

Text: Jesse Enkamp, aus dem Englischen übersetzt von Eva Mona Altmann
Foto: pixabay.com

Über den Autor:
KARATEbyJesse ist vielen Karateka ein Begriff. Dahinter verbirgt sich der Schwede Jesse Enkamp, Mitglied der Kata-Nationalmannschaft und Inhaber eines eigenen Dojos, der sich mit interessanten und gut recherchierten Artikeln zum Karate und angrenzenden Themenbereichen sowie mit ansprechenden Videos von Turnieren und Lehrgängen im Internet einen Namen gemacht hat. Neben der Webseite www.KARATEbyJesse.com betreibt er auch einen YouTube-Kanal und ist bei facebook, twitter & Co. vertreten. In der Vergangenheit waren seine Beiträge nur mit genügend Englischkenntnisse zugänglich.  Aber mit freundlicher Genehmigung des Autors erscheinen seit Mitte 2014 ausgewählte Artikel in der deutschen Übersetzung von Eva Mona Altmann (Dipl.-Übers.) beim KDNW. Wir freuen uns sehr über diese grenz- und sprachübergreifende Kooperation mit Jesse Enkamp!


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